top of page
  • AutorenbildMichael Wälti

Rhetorik: Negative Formulierungen in positive umwandeln.

Positive Formulierungen machen einen Unterschied zwischen motivierendem Leadership und Leadership, das Seufzen und Augenrollen auslöst. In Präsentationen erschweren negative Formulierungen das Verständnis, nähren Widerstände und bieten oft nur unklare Anweisungen. Dies verstärkt sich noch, wenn das Publikum nicht einen Text liest, sondern nur unsere Sprechsprache hört. Deshalb solltest du das Wort ‘Nicht’ meiden. Hier kommen die Gründe und einige Beispiele für den Alltag. 



Ich studiere buddhistische Philosophie. Dort habe ich kürzlich gelesen: Eine Erkenntnis, die nicht unwiderlegbar ist. Als wäre buddhistische Philosophie nicht schon schwer genug zu verstehen (die höchste akademische Auszeichnung benötigt 15 Jahre Studium bei 12 Stunden Studium täglich), macht es einem die Sprache manchmal auch nicht einfacher.



Das Beispiel ist eine doppelte Verneinung (in der Rhetorik Litotes genannt). Das Problem dabei ist, dass wir mehrere Gedankenschritte benötigen, um die Aussage zu verstehenden. Wir erfassen erst ‘widerlegbar’, danach ‘un-wiederlegbar’, danach ‘nicht-un-widerlegbar’. Dabei heisst ‘nicht-un-widerlegbar’ nichts anderes als widerlegbar… Ich muss zwei extra Schritte für das Verständnis tun.


Dabei ist schon die einfache Negativ-Formulierung anstrengend für unser Gehirn.


Zusatz: Die Litotes kann als Stilmittel verwendet werden, wie z.B. "Er ist nicht gerade hässlich". Hier wird mit einem Gefühl der Ironie darauf hingewiesen, dass er hübsch ist. Das wirkt anders, als wenn wir sagen würden "Er ist hübsch".



Negativ Formulierungen bei der Arbeit und im Alltag



Erstes Problem: Nutzen wir Negativ-Formulierungen, dann erschweren wir unserem Publikum das Zuhören und Verstehen, wie oben aufgezeigt. Kommt hinzu, dass negative Formulierungen oft auf mehr Widerstand treffen. Wir werden mit all den Verboten in unsere Kindheit zurückversetzt: “Tue das nicht. Das auch nicht!” Somit motivieren solche Aussagen oft auch Trotzreaktionen. Letztlich geben positive Formulierungen klarere Anweisungen für das Publikum. Es weiss sofort, wie handeln. Hierzu einige Beispiele:



Beispiel 1: Anweisung


Wenn du mit der Körpersprache positiv auffallen möchtest, dann solltest du verhindern, dass du die Arme nicht bewegst, wenn du sprichst.


Was soll ich tun? Das Verständnis fällt schwer. Besser wäre:


Wenn du mit der Körpersprache positiv auffallen möchtest, dann beweg die Arme, wenn du sprichst.



Beispiel 2: Aufforderung


Wir sollten Strom nicht verschwenden. Darum ist es wichtig, dass wir das Licht nicht brennen lassen, die Heizung nicht zu hoch stellen und Tee-Wasser nicht in der Pfanne kochen.


Diese Aussagen sind zwar verständlich, aber wirken etwas ‘erschlagend’. Eine derartige Liste von Verboten ist nicht motivierend, dass sie umgesetzt wird. Darum würde ich anders formulieren:


Wir sollten nun Strom sparen. Ich schlage vor, Lichter möglichst auszuschalten, Heizungen tief einzustellen und Tee-Wasser im Wasserkocher zu erhitzen.



Beispiel 3: Business


Das Geschäftsjahr war nicht das beste. Wir sollten nicht mehr Geld in neue Anschaffungen investieren und sollten Zweigstellen nicht mehr weiter ausbauen. 


Vor allem der zweite Satz kann für eine Belegschaft sehr demotivierend sein. Niemand möchte in einer Firma arbeiten, die sich anfühlt, als würde sie bald Konkurs gehen. Eine positive Formulierung kann das verhindern.


Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir Umsatz eingebüsst. Wir sollten nun vorhandene Ressourcen nutzen und uns auf die vorhandenen Zweigstellen konzentrieren. 



Negative Formulierungen und Vorstellungskraft



Hier noch ein letztes Problem bei Negativ-Formulierungen:


Denk mal nicht an einen grünen Giraffen. 


Und was hast du jetzt gemacht? Hast du ihn gesehen vor dem inneren Auge? 


Unsere rechte Hirnhälfte will aus jedem Wort ein Bild machen. Egal ob davor ein “nicht” steht. Liest du den Satz ‘Ich stand mit dem Regenschirm draussen’, dann siehst du dein Allgemein-Bild einer Person mit ‘Regenschirm’ vor deinem inneren Auge. Welche Farbe hat dein Allgemeinbild des Regenschirms?


Wenn du also willst, das eine Person etwas nicht denkt oder nicht tut, dann sind solche Sätze problematisch:


“Haben Sie bitte nicht das Gefühl, ich sei schlecht vorbereitet.”



Oder stell dir ein Verkaufsgespräch vor: 


“Nicht dass Sie denken, ich möchte Sie betrügen.” 



Danke und Aufwiedersehen. Nein danke, kein Interesse mehr.



Mit derartigen Aussagen verlierst du deine Glaubwürdigkeit. Darum lege ich dir ans Herz: Formuliere positiv für Verständlichkeit und Überzeugungskraft.


Danke für’s Lesen! Klicke das Herz rechts unten, wenn dieser Artikel hilfreich war und teile ihn gerne auf deinen Socialmedia. 

Comments


bottom of page