top of page

Körpersprache: Der Kniefall - ein aktuelles Ereignis

  • Autorenbild: Michael Wälti
    Michael Wälti
  • 9. Juni 2020
  • 3 Min. Lesezeit

George Floyd wurde gewaltsam von einem amerikanischen Polizisten umgebracht. Politiker:innen knien, um ihre Anteilnahme zu zeigen (von den amerikanischen Demokraten bis zu Justin Trudeau). Aktuell geht sogar das Hashtag #kneelforfloyd herum und wir sehen zahlreiche Bilder von knienden Menschen. Aber wo kommt diese Geste her? Wieso hat sie so eine enorme Wirkkraft?


Foto Quelle (Lizenzfrei): Hier
Foto Quelle (Lizenzfrei): Hier

Ausgelöst wurde die #kneelforfloyd-Bewegung von Colin Kaepernick, ehemaliger Quarterback der San Francisco 49ers. Er kniete 2016 im Super Bowl während der amerikanischen Nationalhymne – auch damals, um auf die Ungerechtigkeit gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA hinzuweisen. 2020 tut Marcus Rashford das gleiche bei einem Fussballspiel in England (als Zeichen gegen den Rassismus). Den wohl bekanntesten, medienwirksamsten Kniefall im letzten Jahrhundert finden wir am 7. Dezember 1970. Der damalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt kniet vor dem Denkmal für die Helden des jüdischen Gettos in Warschau. Das Bild ging um die Welt. Die ältesten Darstellungen von niederknieenden Menschen sind 4500 Jahre alt. Sie finden sich in mesopotamischen und ägyptischen Kunstwerken ab dem 4. Jahrtausend vor Christus. Auch dort zeigen sie:


  • Verehrung

  • Unterwürfigkeit

  • Gebet

  • Demut

  • Würdigung

  • (Bitte um) Vergebung


Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Weitere bekannte Kniefälle der Geschichte:


  • 1547 kniete Philipp der Grossmütige vor Kaiser Karl der V. nach der militärischen Niederlage.

  • 1983 kniet Papst Johannes Paul II. in der Synagoge in Rom als Zeichen der Versöhnung zwischen Christentum und Judentum.

  • In 1077 kniete Kaiser Heinrich IV. in Canossa (1077) im Schnee vor Papst Gregor VII, um die Aufhebung des Bannes zu erwirken.

  • 1170 kniete Heinrich II. vor dem Grab des ermordeten Erzbischofs Thomas Becket in der Kathedrale von Canterbury, um Busse zu tun.



Beim Kniefall fällt einem die Kirche ein: Christen knien vor Gott, um Demut zu erweisen (eine Geste, die wir in fast jeder Religion finden). Im Deutschen gibt es sogar das Adjektiv "kniefällig" für demütig, flehentlich. Die Geste ist aber viel älter. Sie geht wahrscheinlich zurück bis in die Zeit der Jäger und Sammler. Auch dort war es sicher eine Geste der Ehrerbietung und der Demut gegenüber den Stammesoberhäuptern oder Göttern. Wieso wirkt diese Geste aber so demütig?


Wann immer wir eine Position einnehmen, in der unsere Kopfhöhe tiefer ist als diejenige des Gegenübers, wird dies als Unterwürfigkeit oder als deeskalierend gewertet. Von da kommen subtile Körpersprache-Signale, wie die leichte Verbeugung oder das Senken des Kinns bei einer Begrüssung. Das Signal ist aber nicht vollständig ohne den nach unten gerichteten Blick. Grundsätzlich: Wann immer wir uns kleiner machen und uns mit dem Blick nach unten wenden, wirken wir unterwürfig, demütig oder ehrerbietend.

Wenn wir nun auf den Knien stehen, wird die Botschaft enorm verstärkt: Wir wissen, dass es unbequem sein wird. Also zeigen wir uns nicht nur unterwürfig, sondern wir nehmen zusätzlich die Unannehmlichkeit in Kauf. Ausserdem sind wir immobil: Wir machen uns verletzlich, können uns nicht wehren und können nicht davonrennen.

Wenn wir ohnmächtig werden, geben zuallererst die Knie nach. Seht euch mal den Knock-out eines Boxers an. Die Knie tragen im Stand am meisten Körperspannung. Deshalb ist es ein grosses und stark gebautes Gelenk. Gleichzeitig ist die Kniekehle ein sehr verletzlicher Punkt. Von dort kommen auch Ausdrücke wie "weiche Knie haben" etc. Bei einem Schwächegefühl geben die Knie nach.


Ich hoffe, du hast durch diesen Eindruck ein vertieftes Verständnis der Kniefall-Geste erhalten. Hinterlasse ein Like, wenn dir der Beitrag gefallen hat und teile ihn gerne in den Social Media weiter. Danke!

Kommentare


Michael Wälti
Website Kontakt(1).png
  • LinkedIn Social Icon

in/michael-waelti

bottom of page